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Weblaw LegalTech Blog

08. Jun

2018

Die Zukunft von LegalTech aus Sicht des Kunden

Ein Gastbeitrag von digitalCounsels, basierend auf einer Umfrage von knapp 200 KMUs.

Man könnte vermuten, dass die moderne Kundschaft rechtliche Unterstützung im Internet sucht und bezieht. Online-Plattformen für Kunden und Anwälte sind Teil der gesamten LegalTech-Entwicklung und ihre Ausrichtungen, Konzepte und Funktionen sind variantenreich. In gewissen Ländern  sind sie mehr etabliert als in anderen. Aus schweizerischer Sicht kann man jedoch sagen, dass der Online-Markt in der Rechtsbranche in den Kinderschuhen steckt und innovative Lösungen erst am entstehen sind.

Rechtsschutzversicherungen könnten Zugpferde der LegalTech-Branche werden

Damit innovative und durchsetzungsfähige Online-Dienste mithilfe von LegalTech realisiert werden können, sollten die ‘Innovators’ verstehen, wie sich Rechtssuchende verhalten und welches ihre dringendsten Bedürnisse sind. Eine Umfrage, durchgeführt von digitalCounsels AG mit 182 KMUs in der Schweiz, durchleuchtet die Kriterien bei der Suche nach rechtlicher Unterstützung und bringt einige interessante Fakten über die Bedürfnisse von Kunden ans Licht.

Rund ein Drittel der befragten Unternehmen hat angegeben, mindestens einmal keinen Anwalt engagiert zu haben, obwohl juristische Unterstützung nötig war. Die dafür genannten Gründe zeigen, dass Bedenken über allzu hohe Rechnungen existieren. Zudem werden häufig andere, zum Teil unentgeltliche Dienstleister beansprucht, wie zum Beispiel Rechtsschutzversicherungen, Verbände oder Anlaufstellen, die Rechtswissen konsolidieren und über Spezialisten verfügen. Es gibt also so etwas wie einen sekundären Markt für gewisse Rechtsprobleme. Die Digitalisierung könnte dort schneller Fuss fassen, da die Akteure in diesem Markt ihre Dienstleistungen kostengünstig erbringen müssen. Gerade Rechtsschutzversicherungen könnten Zugpferde der LegalTech-Branche werden.

Zudem werden häufig andere, zum Teil unentgeltliche Dienstleister beansprucht, wie zum Beispiel Rechtsschutzversicherungen, Verbände oder Anlaufstellen, die Rechtswissen konsolidieren und über Spezialisten verfügen.

Kunden wollen Kompetenz und Transparenz

Interessant sind auch die gewonnenen Erkenntnisse über das Vorgehen und die Kriterien bei der Engagierung eines Anwalts. Mehr als die Hälfte der befragten Kunden engagierten den letzten Anwalt über persönliche Netzwerke und auf Empfehlung hin. Gleichzeitig zeigt sich ein klares Bedürfnis nach Kostentransparenz und nach einer ersten Abklärung, ob ein Anwalt nötig ist.  Bei der Frage, was für die Zusammenarbeit mit dem Anwalt am hilfreichsten wäre, stimmten 34% für die genannte Erstabklärung, 20% für eine Bekanntgabe des Honorars vor Auftragsvergabe und 15% für Rechtsprodukte zum Fixpreis. Bei der Frage nach den wichtigsten Kriterien für die Anwaltssuche über eine Online-Plattform wurde Kompetenz als wichtigstes und Transparenz als zweitwichtigstes Kriterium von insgesamt sechs Kriterien angegeben. An dritter Stelle stehen Einfachheit und Sicherheit. 67% bekundeten ihr Desinteresse an einem Jahresabonnement für Rechtsdienstleistungen. Andererseits verfügt rund die Hälfte der befragten KMUs über eine Rechtsschutzversicherung.

Die Schweiz hinkt hinterher

Die Resultate zeigen, dass die befragte Kundschaft Anwälte mehrheitlich noch immer über persönliche Kontakte engagiert, gleichzeitig aber das Bedürfnis nach Kompetenz, Transparenz und Einfachheit bei der Suche nach rechtlicher Unterstützung existiert. Dies erstaunt eigentlich nicht. Denn an die effiziente und einfache Suche im Internet hat sich die heutige Kundschaft schon gewöhnt, zumindest was andere Dienstleistungen betrifft. Während beispielsweise Online-Shopping oder Online-Banking bereits Mainstream ist, steckt der schweizerische Markt für digitale Rechtsdienstleistungen noch immer in der Innovationsphase. Es ist jedoch absehbar, dass die Zeit der ‘Early Adopters’ nicht lange auf sich warten lässt. Startups im LegalTech-Bereich schiessen wie Pilze aus dem Boden und die Nachfrage nach digitalen Lösungen wird wie in allen anderen Branchen wachsen. Die Umfrage zeigt zwar, dass nur etwa 7% der Befragten den zuletzt engagierten Anwalt im Internet gefunden haben (die Suche über den Anwaltsverband oder Branchenverband ausgeschlossen). Wie schnell sich aber das Umfeld der ‘Innovators’ zu einem Mainstream-Markt wandeln kann, zeigt beispielsweise die Entwicklung des Online-Markts im Detailhandel. In den vergangenen Jahren wuchs dieser in der Schweiz jährlich um rund 10%. Weshalb sich dieser Trend in der Rechtsbranche nicht durchsetzen sollte, ist nicht ersichtlich. Sobald Plattformen und Tools den einfachen und zuverlässigen Bezug von digitalen Rechtsdienstleistungen ermöglichen, werden sich Kunden dieser Möglichkeiten bedienen.

Was kann LegalTech den Kunden in Zukunft bieten?

Über welche digitalen Rechtsdienstleistungen wird hier überhaupt gesprochen? Eine Plattform der Zukunft sollte zum Beispiel ermöglichen, dass eine Unternehmensgründung online von A bis Z abgewickelt werden kann, dass alle Mitwirkenden auf einer Plattform arbeiten, der Gang zur Bank und zum Notar überflüssig wird oder die gründende Person gar nur mit der Plattform selbst arbeitet und diese selber die Gründung vollständig abwickelt. Dasselbe beim Grundstückskauf. Neben dem Technologiefortschritt von Online-Plattformen wird sich aber auch der Fortschritt in der Automatisierungstechnologie für den Kunden auszahlen. Die Anwälte werden weiter ihre Arbeitsprozesse digitalisieren, wie zum Beispiel die Kundenakquise, Rechnungsstellung oder Buchhaltung, mithilfe von CRM-Systemen, Cloud-Lösungen und der automatisierten Dokumentenerstellung und -prüfung. Es liegt auf der Hand, dass die Automatisierungstechnologie dazu führt, dass der Anwalt seine Leistung effizienter erbringen kann und letztlich der Kunde davon profitiert. Auf der anderen Seite können sich Anwälte vermehrt auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, die rechtliche Beratung und Vertretung.

Das heutige Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Individualität

Einer der Vorteile von Online-Plattformen ist die Ortsunabhängigkeit. Was die rechtlichen Probleme betrifft, können diese ortsgebunden sein, zum Beispiel gebunden an einen Kanton, oder eben ortsunabhängig, so dass ein Anwalt auch ein Mandat ausserhalb seines bisherigen Kundenkreises mühelos abwickeln kann. Online-Plattformen bringen in beide Richtungen Vorteile. Bei der Suche nach regionalen Spezialisten lässt sich die Suche effizient einschränken und je nach Bedürfnis kanalisieren. Spielt die Regionalität keine Rolle, eröffnet sich dem Kunden ein grosser Pool von Rechtsanbietern, der bis anhin nicht in Reichweite war.

Online-Plattformen haben so für den Kunden Vorteile in vielerlei Hinsicht. Sie sind überregional, schaffen Zugang zu einer grossen Anzahl Anbieter und ermöglichen den transparenten Vergleich von Preisen, Leistungen und den Erfahrungsaustausch von Kunden. Der Individualität des Kunden wird heute in allen Bereichen ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Daher ist es verständlich, dass der Kunde bald auch den Anspruch hat, Rechtsdienstleistungen und ihre Kosten zu vergleichen und denjenigen Anwalt auszusuchen, der zu ihm und seinen Bedürfnissen passt. Sobald die Technologien soweit entwickelt sind, um diesem Anspruch auf sichere und zuverlässige Weise zu genügen, wird LegalTech bald Mainstream sein und globale Online-Kanzleien könnten zu unserem Alltag gehören.

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